Zielgruppe

Alle Personen, die eine in Luxemburg pflichtversicherte Berufstätigkeit ausüben und einen Arbeits- oder Wegeunfall erlitten haben.

Unfallarten

Wegeunfall

Als Wegeunfall gelten Unfälle auf dem Hin- und Rückweg:

  • zwischen dem normalen Wohnsitz (Haupt- oder Zweitwohnsitz, sofern dieser eine gewisse Beständigkeit aufweist) und dem Arbeitsplatz des Versicherten;
  • zwischen dem Arbeitsplatz und dem Ort, an dem der Versicherte in der Regel sein Mittagessen zu sich nimmt (z.B. Kantine, Restaurant);
  • während des üblichen und direkten Weges.

 

Weiterhin kann der übliche Weg auch beinhalten:

  • einen Umweg, um sein Kind zu einer Betreuungsperson zu bringen oder dort abzuholen, damit man der beruflichen Tätigkeit nachgehen kann;
  • einen Umweg, der im Rahmen einer regelmäßigen Fahrgemeinschaft erforderlich ist.

 

Der Versicherte erhält keine Schadensleistungen, wenn:

  • der Unfall durch einen schwerwiegenden Fehler des Versicherten (mit wissentlichem Risiko) verursacht wurde z.B. Alkoholmissbrauch oder Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung;
  • der Arbeitsweg aufgrund eines persönlichen Interesses unterbrochen oder ein Umweg gemacht wurde.

Arbeitsunfall

Ein Arbeitsunfall ist durch ein plötzliches, von außen auf den menschlichen Körper einwirkendes Ereignis gekennzeichnet, das während der Arbeit eine Schädigung des menschlichen Organismus und/oder einen Fahrzeugschaden verursacht.

Fristen

Außer in Ausnahmefällen hat jeder, der einen Arbeits- oder Wegeunfall erleidet, umgehend seinen Arbeitgeber davon in Kenntnis zu setzen. Die Meldung muss innerhalb eines Jahres durch den Arbeitgeber bei der Unfallversicherung (AAA) eingereicht werden, andernfalls erlischt der Anspruch auf Entschädigung. Die Frist beginnt am Folgetag des Unfalls. Wird keine Unfallanzeige an die AAA eingereicht, kann das Unfallopfer innerhalb eines Jahres schriftlich Beschwerde einreichen.

Stirbt der Versicherte in Folge eines anerkannten Arbeitsunfalls, haben die berechtigten Hinterbliebenen Anspruch auf Hinterbliebenenrente und/oder Entschädigung für immateriellen Schaden.

 

Berufskrankheit

Der Versicherte ist von einer Berufskrankheit betroffen, wenn er an einer Krankheit leidet, die direkt zurückzuführen ist auf:

  • eine mehr oder weniger lange Aussetzung gegenüber physikalischen, chemischen oder biologischen Risiken oder
  • die übliche Ausübung der beruflichen Tätigkeit oder
  • die Arbeitsbedingungen.

 

Meldung

Der behandelnde Arzt ist bei einem fundierten Verdacht auf eine Berufskrankheit verpflichtet, diese bei der AAA zu melden. Der Arzt händigt dem Patienten eine Kopie der Anzeige aus. Im Anschluss wendet sich die AAA an den Arbeitgeber, um weitere Auskünfte über die beruflichen Risiken des Versicherten einzuholen.

 

Leistungen der Unfallversicherung (AAA)

Gesundheitsleistungen

Die AAA übernimmt Sachleistungen bestehend aus der Abdeckung der Gesundheitsleistungen im Zusammenhang mit der Berufskrankheit. Grenzgänger können Gesundheitsleistungen nicht nur in Luxemburg in Anspruch nehmen, sondern auch im Land ihres Wohnsitzes. Hierfür müssen sie sich bei der zuständigen Kasse melden.

Geldleistungen

Während der ersten 78 Krankheitswochen zahlt die Krankenkasse Krankengeld.

Fahrzeugschäden

Entschädigung für Schäden an dem zum Zeitpunkt des Unfalls genutzten Fahrzeug mit einer Selbstbeteiligung von 2/3 des SML (1.380,73 €). Auch wenn der Versicherte keine körperlichen Verletzungen erlitten hat, kann er bis zu folgenden Höchstbeträgen entschädigt werden:

  • das 5-fache des SML (10.355,50 €) bei Wegeunfällen und
  • das 7-fache des SML (14.497,70 €) bei Arbeitsunfällen.

 

Sachschäden und Prothesen

Der Versicherte hat Anspruch auf Entschädigung unter der Bedingung, dass der Unfall eine Verletzung hervorgerufen hat. Die Entschädigung von Sachschäden an Kleidungsstücken oder anderen persönlichen Gegenständen erfolgt gegen Vorlage der Rechnung nach Abzug von 20 % pro Jahr. Schäden an Zahnkronen, Prothesen, Orthesen oder Epithesen können auch entschädigt werden, wenn keine Verletzung vorliegt.

Als Grenzgänger können Sie Naturalleistungen nicht nur in Luxemburg, sondern auch in Deutschland in Anspruch nehmen. Dies erfolgt anhand des Formulars DA1 (E123), welches von dem Unfallversicherungsverband (AAA) für eine im Prinzip auf 3 Monate beschränkte Periode ausgestellt wird. Dieser Zeitraum kann gegebenenfalls verlängert werden.

Renten

Renten gleichen Einkommensverluste aus. Sie werden eingestellt, wenn der Rentenempfänger das 65. Lebensjahr erreicht hat oder wenn eine vorgezogene Altersrente bezogen wird.

Vollrente

Die Vollrente wird bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit gezahlt, wenn kein Krankengeld gezahlt wird oder das Anrecht auf dieses erloschen ist.

Teilrente

Geschuldet bei dauerhaftem Einkommensverlust von mind. 10 % infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit bei der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit.

Berufliche Übergangsrente

Kann ein Arbeitnehmer  seine bisherige Arbeit nicht wiederaufnehmen, ist eine externe berufliche Wiedereingliederung mit einer Übergangsrente von 85 % möglich.

 

Entschädigungen für Nichtvermögensschäden

Wenn der Versicherte dauerhaft eine teilweise oder vollständige Minderung der Erwerbsfähigkeit aufweist, hat er Anspruch auf Entschädigungen für Nichtvermögensschäden.

Im Falle einer nachträglichen Verschlechterung des Gesundheitszustands, kann der Betrag der Entschädigungen erhöht werden, sofern der neue IPP endgültig ist und mindestens 10 % über dem vorherigen liegt.

Entschädigung für Beeinträchtigungen der Psyche und des Wohlbefindens

Die Entschädigung dient dem Ausgleich für den Verlust an Lebensqualität und Einbußen an Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wird bei einem IPP von bis zu 20 % als Kapitalabfindung, bei einem Grad von mehr als 20 % als monatliche Zahlung, entrichtet.

Entschädigung für erlittene körperliche Schmerzen

Die Entschädigung kompensiert den immateriellen Schaden durch körperliche Schmerzen, die aus der zur Heilung erforderlichen chirurgischen und therapeutischen Behandlungen resultieren. Die Schwere der Schmerzen bestimmt die Entschädigungszahlungen:

Erlittene SchmerzenEntschädigung
sehr leicht716,67 €
leicht1.425,20 €
mäßig3.567,07 €
mittel8.917,68 €
ziemlich schwer17.827,22 €
schwer29.717,46 €
sehr schwer59.426,77 €

 

Entschädigung für Entstellungen

Entschädigung für die Folgen einer anatomischen oder physiologisch-anatomischen Schädigung einer Person, die eine Veränderung des Erscheinungsbildes versursacht. Die Schwere der Entstellung bestimmt die Entschädigungszahlungen:

Grad der EntstellungEntschädigung
sehr leicht472,35 €
leicht1.189,02 €
mäßig2.972,56 €
mittel8.323,17 €
ziemlich schwer17.827,22 €
schwer29.717,46 €
sehr schwer59.426,77 €

 

Mehr Informationen finden Sie im Leitfaden für Versicherte der AAA:

https://aaa.public.lu/fr/documentation/publications/guides/Guide-assure.html